Das Zwiebelsystem, oder wie man Kleidung bei Kindern und Erwachsenen richtig schichtet, nicht nur im Winter

Du stehst morgens an der Tür und überlegst, wie viele Schichten dein Kind heute eigentlich anziehen soll. Draußen nieselt es, aber laut Vorhersage soll am Nachmittag die Sonne rauskommen, und zum Abend hin wird es kälter. Der Kleiderberg auf dem Stuhl wächst, und die Zeit bis zum Verlassen des Hauses wird knapper. Was, wenn du dich falsch entscheidest und dein Kind auf dem Spielplatz friert – oder im Gegenteil ins Schwitzen kommt und sich dann erkältet? Gibt es überhaupt einen Weg, sich beim Anziehen zurechtzufinden?

In diesem Artikel zeigen wir dir das sogenannte Zwiebelsystem – ein Prinzip, das Bergsteiger und Skilehrer genauso nutzen wie es beim Spaziergang mit dem Kinderwagen oder beim Nachmittag auf dem Kinderspielplatz funktioniert. Wir gehen durch, woraus die erste Schicht direkt auf der Haut bestehen sollte, wann sich eine zweite, isolierende Schicht lohnt und wie du die oberste Schicht wählst, die wirklich vor Wind und Regen schützt.

Bei BERGAM beschäftigen wir uns schon lange mit dem Schichten von Kinderkleidung und schöpfen dabei viel aus dem Feedback von Eltern, die mit ihren Kindern bei jedem Wetter draußen sind – von Matsch und Pfützen bis zum Frost.

Kind im Winteroverall draußen auf einem herbstlichen Feld

Ein entspannter Start in den Tag beginnt damit, dass du weißt, welche Schichten zusammenpassen. Lies auch unseren Artikel Was zieht man dem Kind für Herbstausflüge in die Natur an.

Das Zwiebelsystem im Überblick

  • Das Zwiebelsystem kombiniert drei bis vier Kleidungsschichten, die je nach Wetter und Aktivität beliebig hinzugefügt oder entfernt werden können.
  • Die erste Schicht liegt direkt auf der Haut, und ihre Aufgabe ist es, Schweiß von der Haut abzuleiten – nicht, das Kind zu wärmen.
  • Die zweite Schicht dient als Wärmeisolation und ist meist ein Fleece- oder ein dickerer Merino-Pullover.
  • Die dritte Schicht schützt vor Wind, Regen und Schnee und sollte wasserdicht und zugleich atmungsaktiv sein.
  • Bei echtem Frost lohnt sich noch eine vierte Schicht zusätzlich, zum Beispiel eine Daunenjacke oder ein gefütterter Overall.
  • Baumwolle eignet sich nicht unter Funktionsschichten – beim Spielen draußen saugt sie den Schweiß auf und kühlt dann aus.

Die erste Schicht: was den Schweiß vom Körper ableitet

Die Hauptaufgabe der ersten Schicht ist nicht zu wärmen, sondern die Feuchtigkeit von der Haut wegzuleiten. Wenn dein Kind draußen spielt und ins Schwitzen kommt, saugt ein Baumwoll-T-Shirt oder ein Baumwollbody die Feuchtigkeit auf und hält sie auf der Haut – und genau dann fängt das Kind an zu frieren und wird quengelig. Funktionsmaterial hingegen leitet die Feuchtigkeit weiter, sodass die Haut trocken bleibt.

Die Kleidung sollte auf der Haut weder zu locker noch zu eng sitzen – Lücken zwischen Stoff und Haut verhindern, dass die Schicht so funktioniert, wie sie soll.

Für Babys und Kleinkinder ist ein Merino-Body mit durchdachtem Schnitt eine gute Wahl, damit er beim Krabbeln und Robben nicht am Rücken hochrutscht, mit einem leichten Stehkragen am Hals. Für ältere Kinder eignet sich ein Merino-T-Shirt in ganzjähriger Grammatur, das an kalten Tagen als erste Schicht und im Sommer als leichtes Sonnenshirt dient. Wähle es lieber etwas länger, damit der Rücken auch bei den größten Abenteuern vor Zugluft geschützt ist.

Wenn dein Kind Merino auf der Haut nicht mag oder du eine leichtere Variante für Übergangstage suchst, eignet sich auch ein Bambus-T-Shirt gut – Bambusfasern sind ebenfalls weich und leiten Feuchtigkeit gut ab, auch wenn sie die Temperaturregulierung von Merino nicht erreichen. Mehr über die Eigenschaften von Wolle erfährst du in unserem kompletten Ratgeber zu Merinowolle.

Bei Erwachsenen und älteren Kindern gilt das gleiche Prinzip: Merino-T-Shirts mit kurzen und langen Ärmeln sowie Merino-Hosen. Auch synthetische Fasern wie Polypropylen oder Polyamid funktionieren, Merino hat aber den Vorteil, dass es ein erneuerbares Material ist und meist umweltfreundlicher ausfällt.

Die zweite Schicht: die wärmende Isolation

Die zweite Schicht soll den Körper warmhalten und dabei gleichzeitig atmungsaktiv bleiben, damit sie die Feuchtigkeit von der ersten Schicht weiterleiten kann. Bei leichter Abkühlung reicht ein weiteres Thermo-Langarmshirt, zum Beispiel im Rollkragen-Schnitt mit Reißverschluss. Wird es kälter, kommt ein Pullover ins Spiel – meistens aus Fleece oder dickerer Merinowolle.

Für Babys ist ein Overall aus 100 % Merinowolle oder ein Fleece-Jäckchen eine gute Wahl – nichts drückt, und Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass es dem Baby am Rücken hochzieht. Bei Merino-Kleidung für die zweite Schicht solltest du auf eine Grammatur über 200 g/m² achten, solche Kleidung atmet gut und isoliert auch leicht feucht.

Baby in einem Fleece-Jäckchen als zweiter Kleidungsschicht

Schon die Kleinsten freuen sich über ein Fleece-Jäckchen als bequeme zweite Schicht.

Für ältere Kinder ist ein Pullover praktisch, den du im Waldkindergarten, auf Ausflügen und auf dem Spielplatz zu schätzen weißt – das Fleecematerial leitet Feuchtigkeit effektiv von der Haut ab und trocknet schnell. Genauso gut eignet sich ein Fleece-Set aus Wolle, das auch bei frostigem Wetter gut wärmt.

Kind im wollenen Fleece-Set als zweiter Schicht im Schnee

Ein Fleece-Pullover aus Wolle mit passender Hose eignet sich gut als warme zweite Schicht auch im Winter.

Die dritte Schicht: Schutz vor Wind, Regen und Schnee

Die dritte Schicht schützt den Körper vor widrigem Wetter. Oberjacken und -hosen müssen wasserdicht sein, damit keine Feuchtigkeit zum Körper vordringt, und gleichzeitig ausreichend atmungsaktiv, damit der vom Körper produzierte Schweiß nach außen verdunsten kann – sonst bleibt das Kind von innen genauso nass, wie es von außen wäre.

Winddichte Materialien werden zusammenfassend als Softshell bezeichnet. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: den Membran-Softshell mit Futter, der auch Regen gut standhält, und den membranlosen Softshell, der sich durch Atmungsaktivität auszeichnet und meist wasserabweisend beschichtet ist – einen leichten Schauer übersteht er also problemlos.

Für wirklich anhaltenden Regen, Matsch und Pfützen eignet sich ein mit Fleece gefüttertes Regen-Set. Jacke und Hose sollten einen bequemen Schnitt haben, der das Kind nicht in der Bewegung einschränkt, enge Bündchen an Ärmeln und Hosenbeinen sowie ein elastisches Gummiband unter dem Schuh für sicheren Halt. Hosen mit hohem Latz und Rückenteil schützen zusätzlich den Rücken, selbst wenn sich das Kind ins nasse Gras oder eine Pfütze setzt.

Kind in wasserdichter Jacke über Fleecehose als dritter Kleidungsschicht

Eine wasserdichte Jacke funktioniert gut in Kombination mit einer Fleecehose als zweiter Schicht.

Die vierte Schicht: wenn es richtig kalt wird

Bei starkem Frost lohnt sich noch eine zusätzliche Schicht. Eine beliebte Variante sind Daunenjacken – sie haben ein geringes Gewicht und lassen sich gut zusammenpacken, sodass man sie fast überallhin mitnehmen kann. Daunen spenden bei geringem Gewicht viel Wärme, ihr Nachteil ist jedoch, dass sie nicht nass werden dürfen – nass verlieren sie ihre isolierende Wirkung, daher wird eine Daunenjacke meist eher als Ergänzung zur dritten, wasserdichten Schicht getragen als an ihrer Stelle.

Eine eigene Kategorie ist der komplett wasserdichte Overall, den vor allem die kleinsten Kinder beim Toben im Matsch und Schnee zu schätzen wissen. Hochwertige wasserdichte Kleidung ist leider keine günstige Angelegenheit – sie muss nämlich zwei widersprüchliche Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Wasser von außen abhalten und gleichzeitig die vom Körper selbst produzierte Feuchtigkeit nach außen lassen. Wenn du überlegst, wie stark gefüttert die Variante sein sollte, wirf einen Blick auf unseren Vergleich der Mikk-Line Thermosets nach Grad der Fütterung.

Zubehör, das oft vergessen wird

Selbst perfekt aufeinander abgestimmte Schichten am Rumpf reichen nicht, wenn die Extremitäten ungeschützt bleiben – Kopf, Hände und Füße.

Auf den Kopf gehört eine Mütze oder Sturmhaube, die nirgends drückt, aber auch nicht verrutscht. Eine praktische Wahl ist eine Merino-Sturmhaube für Kinder, die Mütze und Schal in einem vereint und Kopf, Ohren und Hals auch bei kaltem Wetter schützt. Wenn keine Sturmhaube nötig ist, eignet sich genauso gut eine klassische Merino-Mütze.

An die Hände gehört ein ausreichender Vorrat an Handschuhen – wie bei allen paarigen Kleidungsstücken geht gerne mal einer der beiden verloren. Es lohnt sich, gleich mehrere Paar Merino-Handschuhe zu Hause zu haben, und für wirklich nasses Wetter eine gummierte Variante, die auch Pfützen übersteht.

Die Füße schützt die Kombination aus Leggings oder Strumpfhose und guten Socken. Sobald das Kind in die Kita oder Schule geht und einen größeren Teil des Tages draußen verbringt, eignen sich Strumpfhosen eher fürs Zuhause – nach ihrer Durchnässung folgt nämlich das unangenehme Umziehen von allem.

Praktischer sind Merino-Leggings mit elastischem Bund und dazu passende Socken aus Naturmaterialien – neben Merino findest du in unserem Sortiment auch Varianten aus Bambus oder Baumwolle. Wähle lieber eine dünne Funktionssocke statt zweier dickerer Schichten übereinander – ein eingeengter Fuß friert nämlich schneller, weil im Schuh kein Platz für die isolierende Luftschicht bleibt.

An kühleren Übergangstagen reichen bequeme Hausschuhe, gegen Ende der Saison denk an Winterstiefel mit rutschfester Sohle oder an wasserdichte Gummistiefel für Tage, an denen Pfützen die Oberhand gewinnen.

Grammatur der Merino-Kleidung Wann sie sich eignet
150–170 g/m² Sommer, leichte erste Schicht, Kleidung für warme Tage
180–200 g/m² Ganzjährig, universelle erste und zweite Schicht
220–250 g/m² Winter, zweite Schicht für starke Kälte, Sturmhauben und Mützen

Wann das Zwiebelsystem keinen Sinn ergibt

Das Schichten passt nicht zu jeder Situation. Bei Neugeborenen, die die meiste Zeit im Kinderwagen oder auf dem Arm verbringen und sich kaum bewegen, ist meist ein ausreichend warmer Pucksack oder Fußsack einfacher als drei dünne Schichten zusätzlich. Ähnlich verhält es sich bei einer kurzen Autofahrt zur Kita – da ergibt es keinen Sinn, das Kind komplett einzupacken, nur um es wenige Minuten später wieder auszuziehen.

Es lohnt sich auch zu bedenken, dass mehrschichtige Kleidung mehr Teile zum Waschen bedeutet und mehr Sachen, auf die man aufpassen muss, damit sie nicht verloren gehen. Und wenn ein Kind sehr intensiv Sport treibt, kann es schneller schwitzen, als die Schicht die Feuchtigkeit ableiten kann – in diesem Fall hilft eher rechtzeitiges Ausziehen einer Schicht als das beste Material.

Wie man Merino-Schichten richtig pflegt

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du im Artikel Wie man Merino-Kleidung richtig wäscht, damit sie lange hält. Kurz zusammengefasst:

  1. Bevor du die Kleidung zum ersten Mal wäschst, schau dir das Etikett an – es verrät dir die genaue Zusammensetzung und die empfohlene Temperatur.
  2. Stelle die Waschmaschine auf das Wollprogramm bei 30 °C.
  3. Verwende ein spezielles Waschmittel für Wolle, klassisches Waschpulver für Baumwolle schadet den Fasern.
  4. Schalte das Schleudern aus oder reduziere es auf ein Minimum, damit die Fasern nicht beschädigt werden.
  5. Trockne die Kleidung liegend – in den Trockner gehört Merino niemals.
  6. Außerhalb der Saison lagerst du Merino am besten in Vakuumbeuteln oder im Schrank mit Mottenschutzstreifen, für die Merinowolle ein echter Leckerbissen ist.

Häufig gestellte Fragen zum Schichten von Kinderkleidung

 

 

Wie viele Schichten sollte ein Kind tragen?

Das hängt vom Wetter und der Aktivität ab – die Basis bildet die erste Funktionsschicht auf der Haut, dazu kommt je nach Bedarf ein isolierender Pullover und eine wasserdichte Oberschicht. Bei starkem Frost kommt noch eine vierte Schicht dazu.

Wie erkenne ich, dass mein Kind zu viele Schichten trägt?

Wenn das Kind schwitzt, gerötete Wangen hat oder sich die Kleidung selbst vom Leib reißt, sind es wahrscheinlich mehr Schichten, als nötig sind. Bei kleineren Kindern prüfst du die Temperatur besser im Nacken als an den Händen.

Muss die erste Schicht immer aus Merinowolle sein?

Nicht unbedingt, aber Merino gehört zu den Materialien, die Schweiß gut ableiten und gleichzeitig wärmen. Auch synthetische Fasern wie Polypropylen oder Polyamid funktionieren – wichtig ist vor allem, Baumwolle zu vermeiden.

Ist Merinowolle auch für Babys geeignet?

Ja, bei Babys ist ein Body oder Overall aus 100 % Merinowolle eine beliebte Wahl. Sie ist in der Regel gut geeignet, es kommt aber auch auf die Feinheit der Faser und die Empfindlichkeit des jeweiligen Kindes an – deshalb lohnt es sich, die Haut bei der ersten Anwendung zu beobachten.

Wie wird Merinowolle gewaschen?

Im Wollprogramm bei 30 °C, mit einem speziellen Waschmittel für Wolle. Das Schleudern sollte man besser ausschalten oder auf ein Minimum reduzieren.

Kann ich Merino-Kleidung in den Trockner geben?

Nein, Merino wird immer liegend getrocknet. Der Trockner beschädigt die Fasern, und die Kleidung kann ihre Form verlieren.

Warum darf Merino nicht bei höherer Temperatur gewaschen werden?

Hohe Temperatur und mechanische Belastung (Schleudern, Trockner) führen zum Verfilzen der Wolle – die Fasern verhaken sich ineinander, und die Kleidung läuft ein und wird hart.

Ist Fleece als zweite Schicht genauso gut wie Merino?

Fleece wärmt gut, trocknet schnell und ist meist günstiger. Merino reguliert zusätzlich die Temperatur besser und kühlt selbst feucht nicht so stark aus wie Fleece – es kommt also darauf an, was in der jeweiligen Situation wichtiger ist.

Wie erkenne ich eine hochwertige wasserdichte dritte Schicht?

Hochwertige Oberbekleidung ist wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv – sonst hat die Feuchtigkeit vom Körper keine Möglichkeit zu verdunsten. Ein guter Hinweis sind eine Fleece-Fütterung, enge Bündchen an Ärmeln und Hosenbeinen sowie ein elastisches Gummiband unter dem Schuh.

Wann lohnt sich eine zusätzliche vierte Schicht?

Dann, wenn weder ein isolierender Pullover noch eine wasserdichte Jacke ausreichen – typischerweise bei langem Aufenthalt im Freien bei starkem Frost. Am häufigsten handelt es sich dabei um eine Daunenjacke oder einen gefütterten Overall.

Wie wähle ich die richtige Größe für geschichtete Kleidung?

Bedenke, dass unter der obersten Schicht noch die erste und zweite Schicht getragen werden, daher sollten Jacke und Hose nicht eng sitzen. Gleichzeitig sollte der Stoff nicht so locker sein, dass zwischen den Schichten Lücken entstehen, durch die Wärme entweicht.

Wie lagert man Merino-Kleidung außerhalb der Saison richtig?

Am besten in Vakuumbeuteln, eventuell im Schrank zusammen mit Mottenschutzstreifen – Merinowolle ist nämlich ein echter Leckerbissen für Motten.

 

 

Das Zwiebelsystem ist keine Wissenschaft, eher eine Gewohnheit, an die du dich in ein paar Wochen genauso gewöhnst wie dein Kind. Wenn du bei der Auswahl der einzelnen Teile unsicher bist, schreib uns an sylvie@bergam.cz, und wir besprechen gemeinsam, was für dich und deine Kinder am besten passt.

Gut gewählte Kleidungsschichten entscheiden am Ende oft darüber, ob die Zeit draußen für dich und dein Kind angenehm oder anstrengend war.

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